Staatsminister Josef Miller anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme des Pelletwerkes der Fa. CompacTec GmbH & Co. KG am 20. Januar 2006 in Straubing
„Nachwachsende Rohstoffe im Bayerischen Energiemix und die besondere Bedeutung der Holzpellets“
Es gilt das gesprochene Wort
Gerne bin ich zu Ihnen nach Straubing gekommen, um die erste Produktionsstufe des Pelletwerkes der Gesellschaft zur Kompaktierung nachwachsender Rohstoffe CompacTec GmbH & Co. KG mit dem heutigen Festakt in Betrieb zu nehmen.
Hierzu gratuliere ich Herrn Thomas Schmidmeier, Geschäftsführer der Fa. CompacTec und Vorstand der Schmidmeier UmweltTechnologie AG, sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich. Für die geplanten weiteren Entwicklungsschritte des Pelletwerks wünsche ich Ihnen eine glückliche Hand und viel Erfolg!
Früher war der Einsatz von Holz zur Wärmegewinnung bei weitem noch nicht so ausgereift und professionell wie heute. Damals waren die Anlagen durchweg „handbeschickt“. Beim Blick auf die heutigen, automatisch mit Pellets beschickten Anlagen stelle ich fest: Es liegen Welten zwischen der Brennholzverwertung früherer Tage und dem modernen Biomasseeinsatz von heute. Wenn es ums Heizen ging, hieß es früher „Holz holen“, heute spricht man respektvoll von „Brennstoffmanagement“.
Bedeutung der energetischen Verwendung von Biomasse
Mit Blick auf unsere Umwelt und die Zukunft unserer Energieversorgung ist der Einsatz von Biomasse zu Heizzwecken von besonderer Bedeutung. Der Schutz der natürlichen Ressourcen, unsere Verantwortung für die Menschen und die nachfolgenden Generationen sowie globale und regionale Ziele der Umweltpolitik erfordern einen sparsameren Umgang mit den endlichen fossilen Energieträgern. Bayern nimmt die Verantwortung für die Ressourcenschonung sowie den Umwelt- und Klimaschutz sehr ernst. Wir tragen heute Verantwortung für die Welt von morgen!
Deshalb müssen wir zukunftsorientiert planen und handeln - für eine Welt, die auch unseren Kindern und Enkeln intakte Lebensräume und eine Umwelt bietet, die das Leben lebenswert macht!
Wir müssen uns wieder mehr darauf besinnen, was uns die Erde Jahr für Jahr an Energie bietet – was als „Zinsertrag“ auf ihr wächst. Wir müssen sehr viel sparsamer damit umgehen, was in erdgeschichtlichen Zeiträumen in ihr gespeichert wurde. Deshalb muss beim Energiekonsum als Zukunftsdevise gelten: Die Zinsen nutzen, das Sparkonto schonen – dann sind wir auf dem richtigen Weg!
Derzeit verwandelt die weltweite Nutzung fossiler Energieträger in nur einem Jahr die Energiespeicherleistung von 500.000 Jahren Erdgeschichte irreversibel in Kohlendioxid (CO2), Wasserdampf und erhebliche Mengen ungenutzter Abwärme. Dazu kommt insbesondere
· die Endlichkeit der fossilen Ressourcen,
· die aktuelle Situation auf den Märkten für Mineralöl und seine Produkte mit hohen Preisen sowie
· das Problem, dass sich der größte Teil der Ölvorräte in politisch höchst instabilen Regionen befindet.
Die deutsche Energieversorgung ist enorm importabhängig. Hat der Anteil der Einfuhrenergie am Primärenergieverbrauch in Deutschland 1950 noch rd. 6 % betragen, sind es heute rd. 75 %! Darauf habe ich in Berlin und Brüssel immer wieder hingewiesen.
Hinzu kommt die konjunkturbremsende Wirkung steigender Rohstoffpreise. 1970 kostete ein Barrel Rohöl noch weniger als 2 US-Dollar. Heute müssen wir uns mit einem dauerhaften Preisniveau von mindestens 60 US-Dollar je Barrel auseinandersetzen.
Auch beim Erdgas ist uns zu Jahresbeginn 2006 unsere besondere Abhängigkeit vom Hauptlieferanten Russland sowie von der ungehinderten Anlieferung durch die Transitländer der Erdgaspipeline noch stärker bewusst geworden.
Aus all diesen Gründen sollte wenigstens derjenige Teil der Energieversorgung aus heimischen Energiequellen genutzt werden, der bei uns relativ einfach erschlossen werden kann!
Hierbei spielt die Holzfeuerung eine zentrale Rolle. Die Technik der Pelletfeuerung ist zwischenzeitlich auf der Siegerstraße angekommen, weil sie hohen Anwendungskomfort bietet.
Mittlerweile ist bei den Holzpelletfeuerungen noch ein weiterer Technologiesprung gelungen. Mit der sogenannten Brennwerttechnik sind nun auch hier Kesselwirkungsgrade von über 100 % möglich! Dies gelingt durch die deutliche Abkühlung der Rauchgase unter den Taupunkt, was einen nennenswerten zusätzlichen Wärmegewinn ermöglicht, d. h. es tritt eine Steigerung des Wirkungsgrades um ca. 10 bis 15 Prozentpunkte im Vergleich zu herkömmlichen Holzheizkesseln ein. Voraussetzung dafür ist: Am Standort muss es einen Bedarf für Wärme auf niedrigerem Temperaturniveau geben, wie z. B. bei einer Fußbodenheizung.
Biomasse deckt heute 4,0 % des Primärenergieverbrauchs (PEV) in Bayern (Statistik 2002) - mit steigender Tendenz. Bundesweit sind es bisher nur etwas mehr als 2 %. Die Verbrennung von Holz stellt dabei den weitaus größten Anteil. Durch den Holzeinsatz werden in Bayern pro Jahr knapp 1,5 Mrd. Liter Heizöl energetisch ersetzt und damit 3,8 Mio. t CO2 eingespart (Stand 2003).
Insgesamt ermöglicht der Einsatz von Biomasse in Bayern pro Jahr einen Ersatz von 2,3 Mrd. Liter Heizöl sowie eine Einsparung von rd. 6 Mio. t CO2!
Wir haben mit der Förderung von Biomasseheizungen, vor allem im Kleinfeuerungsbereich, auch die Grundlage für die Akzeptanz von Holzheizungen gelegt. Der Bund hat wesentliche Eckdaten zur Förderung von Bayern übernommen.
Auch das Marktanreiz-Programm des Bundes zur Förderung erneuerbarer Energien wird von Bayerns Bürgern in Bezug auf Biomasseheizungen besonders rege genutzt. Bisher sind rund die Hälfte aller Förderungen für Biomasseanlagen nach Bayern gegangen. Dies ist auf den Innovationsvorsprung Bayerns als Folge der frühzeitigen Beratung und zielgerichteten Förderung im Rahmen unseres Gesamtkonzeptes Nachwachsende Rohstoffe zurückzuführen.
Energieträger Holz
Mir liegt die energetische Verwertung von Holz sehr am Herzen. Ich weise deshalb immer wieder auf die Vorteile von Holz als besonders umweltfreundlicher Brennstoff hin. Bei seiner Verbrennung wird nur so viel Kohlendioxid (CO2) an die Atmosphäre abgegeben, wie zuvor durch den Aufwuchs gebunden wurde. Die nun wieder wirtschaftlich gewordene Nutzung von Schwach- und Restholz sowie von Schlagabraum durch deren energetische Verwertung verbessert darüber hinaus die Waldbewirtschaftung und die Gesunderhaltung der Wälder.
Die neueste Bundeswaldinventur hat gezeigt, dass in Bayern jede Sekunde 1 Kubikmeter Holz wächst. Dieser Aufwuchs entzieht der Atmosphäre 1 t CO2, das zu 250 kg als Kohlenstoff im Holz gespeichert und zu 750 kg in Form von Sauerstoff an die Luft abgegeben wird.
Holz ist ein heimischer Energieträger, der nachhaltig produziert wird. Wir müssen diesen Energieträger nicht von weit her importieren. Der Holzzuwachs in Bayern beträgt rd. 33 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Davon werden nur etwa 20 Mio. Kubikmeter, also rd. 2/3, genutzt! Heimisches Holz steht also ausreichend zur Verfügung.
Der uralte Energieträger Holz hat in neuerer Zeit wesentliche Neuentwicklungen und Innovationen erfahren:
· von der aufwändigen Stückholzfeuerung über die mechanisierten Hackschnitzelheizungen bis hin zum vollautomatischen Holzpelletkessel mit Brennwerttechnik,
· von der Unterschubfeuerung über die Rostfeuerung bis hin zur Wirbelschichtfeuerung.
Holz ist der mit großem Abstand wichtigste biogene Primärenergieträger. Allein Brennholz in Kleinfeuerungsanlagen und Holzhackschnitzel in Biomasseheizwerken und -heizkraftwerken machen fast zwei Drittel der in Bayern eingesetzten Biomasse aus. Damit nimmt Holz unter den festen Biomassen einen herausragenden Stellenwert ein.
Austausch von Kesselanlagen
Biomasseheizungen, für die in bestimmten Fällen noch eine Anschubförderung notwendig ist, haben schon heute den Bereich der Konkurrenzfähigkeit gegenüber Wärmeversorgungssystemen auf fossiler Basis erreicht.
Seit dem Inkrafttreten der Energie-Einsparverordnung Ende 2004 war klar, dass es vor allem in diesem und den kommenden Jahren zu einem verstärkten Austausch von „alten“, nicht mehr dem Stand der Technik entsprechenden Heizkesseln kommen wird.
So müssen zum Beispiel Heizkessel auf Basis Öl oder Gas, die vor dem 31.10.1978 eingebaut wurden und sich nicht in einem selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhaus befinden, bis 31.12.2006 ausgetauscht werden. Zum anderen gelten ab Ende 2004 für alle Heizkessel die gleichen zulässigen Abgasverlustwerte. Hier werden einige ältere Modelle bei der Messung die erforderlichen Kriterien nicht mehr erfüllen.
Es wird also im Jahr 2006 zu einem regelrechten „Run“ für einen Kesseltausch kommen. Fachleute erwarten einen deutlichen Zuwachs von Sanierungen bestehender Einrichtungen sowie von Installationen neuer Kessel.
Vor diesem Hintergrund ist jetzt die beste Gelegenheit, alte Heizkessel auf Basis fossiler Brennstoffe durch moderne, umweltfreundliche, bedienungsfreundliche und innovative Holzpelletkessel zu ersetzen. Diese hochmodernen Heizungen haben inzwischen den gleichen Bedienungskomfort wie die mit ihnen konkurrierenden Anlagen unter Verwendung fossiler Energieträger. Der auf den Heizwert bezogene Brennstoffpreis bei Pellets beträgt nur gut die Hälfte des Preises für Heizöl.
Der Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk rechnet aufgrund des bestehenden Nachrüstungs- bzw. Erneuerungsbedarfs in den nächsten fünf Jahren mit 42.000 zusätzlichen neuen Heizungsanlagen. Ich bin überzeugt, dass ein erheblicher Anteil davon aus Pelletheizungen bestehen wird.
Neues Pelletwerk Straubing
Sehr geehrter Herr Schmidmeier,
mit der Inbetriebnahme Ihres neuen Werkes im Industriegebiet Hafen Straubing-Sand sind Sie angetreten, einen wichtigen Beitrag zur Brennstoffversorgung mit Pellets zu leisten.
Diese Investition ist von besonderer Bedeutung auf dem Weg zum Ziel, einen möglichst hohen Anteil unserer Gebäude mit dem heimischen Rohstoff Holz zu beheizen, um die bestehende Abhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten zu mindern.
Lassen Sie mich anhand weniger Zahlen die besondere Bedeutung des neuen Pelletwerks für die Brennstoffversorgung verdeutlichen:
· Im Jahre 2000 gab es in Deutschland rd. 3.000 Pellet-heizungen.
· Für das Jahr 2005 ist bereits von knapp 40.000 Pelletheizungen, also dem 13fachen, auszugehen.
· Für ein Einfamilien-Neubau-Wohnhaus gemäß den Anforderungen der Energie-Einsparverordnung (ENEV) wird ein Jahresbedarf von rd. 3,5 t Pellets angesetzt. Damit erfordert der derzeitige deutsche Anlagenbestand dieser Privathaushalte eine Jahresproduktion von mindestens 140.000 t Pellets.
· Der gesamte Brennstoffbedarf in Deutschland beträgt nochmals ein Vielfaches dieser Größenordnung, da mit Pelletfeuerungen nicht nur Einfamilienhäuser, sondern bereits auch große Verbraucher in städtischen Zentren, wie z. B. das Erlebnisbad Cambomare in Kempten, versorgt werden.
In verdichteten Wohngebieten sind aus Platzgründen kaum Lagermöglichkeiten für Hackschnitzel und Scheitholz vorhanden. Unter diesen Bedingungen würde Holz als Brennstoff ausscheiden. Doch die Pellettechnik mit ihren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten bietet hier eine echte Alternative zur klassischen Holzfeuerung. Obwohl Holzpellets für die gleiche Energiemenge etwa dreimal soviel Lagerraum benötigen wie Öl, ist dies mit Blick auf das gesamte Heizverfahren kaum von Nachteil. Denn während für einen Öltank ein begehbarer Tankraum vorzuhalten ist, kann für die Lagerung von Holzpellets nahezu das gesamte Volumen des entsprechenden Kellerraums genutzt werden.
Pellets sind so hoch verdichtet, dass sie im Wasser untergehen. Wer sich vom spezifischen Gewicht der Pellets und damit auch von der enorm hohen Energiedichte überzeugen will, möge einmal einen mit Pellets gefüllten Transportsack aufheben. Sie werden sehr schnell feststellen: „Aus diesem Holz ist die Luft ’raus, aber viel Energie drin!“ Holzpellets sind sozusagen „Bio-Brennstäbe mit Energie pur“. Der Rohstoff zu ihrer Herstellung besteht zum einen aus Restholz aus holzverarbeitenden Betrieben und Sägerestholz, aber - und das ist das Neue am Werk in Straubing - auch aus Waldrestholz wie z. B. Waldhackgut ohne Rinde.
Sehr geehrter Herr Schmidmeier,
sehr geehrte Damen und Herren,
die Errichtung des Pelletwerkes hier im Hafen Straubing-Sand erfüllt mich mit großer Freude: Es ist als zukunftsorientiertes Projekt, sozusagen „im Schlepptau“ des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe, in Straubing entstanden. Hier am Europaring wird nach Abschluss des Endausbaus mit einer jährlichen Kapazität von 140.000 t die größte Pellet-Fertigungsanlage Europas stehen!
Der Abnehmerkreis von Pellets der Fa. CompacTec besteht mittlerweile aus 7.000 zufriedenen Kunden.
Ihnen, Herr Schmidmeier, und Ihrem Unternehmen wünsche ich eine baldige Vervielfachung dieser Zahl. Beeindruckend ist, dass Sie mit Ihrem neuen Werk in der vollen Ausbaustufe alle 12 Minuten den Jahresbrennstoffbedarf für ein modernes Einfamilienhaus herstellen.
Ich gratuliere Ihnen sehr herzlich zu Ihrem neuen Werk und wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen stets erfolgreichen und unfallfreien Betrieb. Allen heutigen und künftigen Abnehmern von Holzpellets wünsche ich stets die gewünschte wohlige Wärme in ihren „vier Wänden“.